Das Thema „Sexualerziehung“ war für die Kinder des dritten und vierten Schuljahres in vieler Hinsicht sehr spannend und interessant – und natürlich ging es dabei auch um die Geburt. Alle hatten sich mit ihren Eltern über ihre eigene Geburt unterhalten: Wo hatte sie stattgefunden, wie lange hatte sie gedauert, wer war alles dabei? Viele Kinder hatten auch Fotos und Andenken von ihrem Start ins Leben mitgebracht und vorgestellt.

Als besonderen Höhepunkt hatte Herr Mühlmann mit der Hebamme Raphaela Claves-Hoyer eine echte Expertin in die Klasse eingeladen. Sie lebt und arbeitet seit rund sieben Jahren in Hoetmar und ist mittlerweile seit 47 Jahren als Hebamme tätig.

Dabei hat sie sich schon recht früh entschieden, nicht im Krankenhaus zu arbeiten, sondern Geburten zu Hause oder im Geburtshaus zu begleiten. Ihr ist es wichtig, den Frauen und auch bereits den Kindern zu vermitteln, dass die Geburt zwar anstrengend, aber etwas ganz Natürliches ist.

Und tatsächlich hatte sie noch direkt morgens vor dem Schulbesuch um kurz nach 5 Uhr eine überraschend frühe und schnelle Geburt in Everswinkel begleitet, bzw. die Mutter und das Neugeborene versorgt, gemeinsam mit der Krankenwagen-Besatzung.

Trotz des überraschend hektischen Morgens kam Frau Claves-Hoyer gut gelaunt kurz nach dem Morgenkreis in die Klasse 3/4c. Sie freute sich allerdings, dass sie Verstärkung dabei hatte: Hebammen-Studentin Pauline unterstützte sie und freute sich über die Gelegenheit, praktische Erfahrung im Unterricht mit Kindern zu sammeln.

Natürlich hatte die Hebamme auch ihren Hebammenkoffer mitgebracht, in dem sich wichtige Instrumente zur Untersuchung und Behandlung der schwangeren Frauen befinden. Die Herztöne des Babys können mit einem Hörrohr abgehört und mit einem Gerät sogar hörbar gemacht werden. Frau Claves-Hoyer nahm zunächst die Herztöne von Herrn Mühlmann und anschließend von Melina – die Kinder stellten fest, dass bei Erwachsenen das Herz deutlich langsamer schlägt.

Besonders spannend wurde es, als Frau Claves-Hoyer und Pauline mit der Babypuppe und und einem Modell der Gebärmutter den Geburtsvorgang demonstrierte: Zunächst die Wehen, bei denen die Gebärmutter sich zusammenzieht und das Baby dadurch herausdrückt, dann der Weg durch das Becken und die Vagina, wobei das Baby sich geschickt dreht, und schließlich die eigentliche Geburt.

Die 90 Minuten gingen richtig schnell vorbei, aber natürlich hatten die Kinder am Ende noch Gelegenheit für interessierte Fragen. Frau Claves-Hoyer machte auch deutlich, dass eine Hebamme nicht nur für die Begleitung bei der Geburt zuständig ist, sondern auch in allen anderen Lebenslagen beratend zur Seite stehen kann, besonders auch während der Pubertät.

Nach der Pause besuchten die beiden Frauen auch noch die Klasse 3/4b und fand dort ebenfalls eine sehr interessierte Zuhörerschaft vor.

Für die Kinder war die Doppelstunde sehr interessant, und viele werden bestimmt von nun an das Geburtshaus Am Holtrup 3 mit ganz anderen Augen sehen. Denn gerade in Zeiten, in denen immer mehr Krankenhäuser ihre Geburtsstationen aus Kostengründen schließen, ist es gut zu wissen, dass es in Hoetmar engagierte und erfahrene Hebammen gibt, die jederzeit ansprechbar sind.